Erläuterungen zur neuen Rettungshunde-Prüfungsordnung

IPO-R

Die Rettungshundeprüfungen der IRO und der FCI werden sich ab 2012 deutlich verändern. Mit der Reform verringern sich die Anforderungen an die Hunde zu Gunsten einer Konzentration auf die Einsatzbereitschaft. Sicher keine Bereichung aus kynologischer Sicht. Im Hinblick auf unsere Mitgliedschaft in der IRO und unserer Loyalität Bezug nehmend auf die Prüfungsordnung werden wir jedoch dieser Reform folgen.

Unsere im SV bisher praktizierte Bezeichnung RH1 für die Eignungstest (RH-E) und RH2 für die Rettungshunde-Sportprüfungen RH-F (Fährtenprüfung), RH-FL (Flächenprüfung), RH-T (Trümmerprüfung), RH-W (Wasserprüfung) und RH-L (Lawinenprüfung) in den Stufen A und B bleibt im Hinblick auf die Eintragung in die Ahnentafeln bestehen. RH3 ist nach wie vor keine Prüfung, sondern eine Anerkennung für Hunde, die nach erfolgreicher Absolvierung der Stufe B gleich welcher Sparte einen Einsatztest oder auch einen Einsatz in einer Hilfsorganisation nachweisen können

Nachfolgend werde ich nun die neue PO vorstellen.

Allgemeine Bestimmungen, soweit sie zur alten PO geändert wurden:

Veränderung der Prüfungseinheiten 
Zulässig sind je Prüfung 36 Einheiten (bisher 30). Es ist allerdings zu berücksichtigen, dass für die RH1 (RH-E) nun 3 Einheiten, für die RH2 der Stufe A 4 Einheiten und der Stufe B 5 Einheiten angesetzt werden müssen.

Ferner haben wir bei der Eignungsprüfung zusätzlich noch die Variante Wasserprüfung und Lawinenprüfung. Im Hinblick auf die doch recht selten praktizierte Umsetzung von Wasser-und Lawinenprüfung will ich jedoch nicht näher auf diese Sparte eingehen.

 

Prüfungseinheiten

Unterordnung &
Gewandtheit

1

Eignungstest

2

Alle Stufen A

3

Alle Stufen B

4

 

 

 

 

 

 

Verwarnung
Der LR kann eine Verwarnung aussprechen, die einen Abzug von 5 Punkten zur Folge hat. Die Verwarnung  kann erfolgen wegen unsportlichen Verhaltens, Nichtbeachtung von Richteranweisungen, unzulässige Hilfen, Anfassen des Hundes während der Unterordnung oder Gewandtheit (außer Loben) und ähnliches.

Anzeigearten
Gültige Anzeigearten sind nur noch „Verbellen“, „Bringseln“, „Freiverweisen“ und „Scharren“ (nur bei Lawinenprüfung). Das Verweisen der vom Fährtenhund gefundenen Versteckperson (VP) gibt es also nicht mehr.

Alterslimit
Eignungsprüfung (im SV) 15 Monate nach erfolgreich bestandener BH/VT-Prüfung
A-Prüfung 18 Monate, B-Prüfung 20 Monate.

Rettungshunde-Eignungstest IPO-R RH1 / RH-F E

Ø      Fährte
Ausführung weicht nur bezüglich der Länge der Fährte mit jetzt 400 Schritten und Alter der Fährte mit jetzt 20 Minuten von der alten PO ab. Alles Andere ist unverändert, einschl. der Bewertung.

Ø      Fläche
Die VP wird außer Sicht des Rettungshundeteams (RHT) eingebracht. Sonst keine Änderungen bezüglich Geländegröße, Ausarbeitungszeit und Beurteilung

Ø      Trümmer
Das Suchgebiet muss vom Hundeführer (HF) und LR einsehbar sein. Der Hd darf Sicht und Berührungskontakt zur VP haben. Sonst keine Änderungen bezüglich Geländegröße, Ausarbeitungszeit und Beurteilung

Ø      Wasser und Lawine        
Neue PO-Variante. Bitte hier die PO einsehen.

Ø      Unterordnung und Gewandtheit (nur Fährte, Fläche, Trümmer)

Leinenführigkeit (10 Punkte)     
Hierzu gibt es ein neues Laufschema, ähnlich wie bei der Begleithundeprüfung

Gegen durch eine Gruppe (10 Punkte)           
Die Gruppe besteht aus mindestens 4 Personen, wobei 2 Personen einen angeleinten Hund mitführen (Rüde und Hündin). Diese Übung ist rechtzeitig zu üben, damit hier kein Durcheinander zustande kommt.

Freifolge (10 Punkte)        
Gleiches Schema wie bei der Leinenführigkeit, jedoch mit Schussprobe

 

Tunnel (10 Punkte)
Diese Übung ist bei der RH1 neu. Es handelt sich um einen Sacktunnel mit 50 cm Durchmesser und starrem 3m langem Eingang. Es folgt ein Kriechgang aus weichem Material, ebenfalls 3 m lang (siehe Bild bei RH2). 
Auf Hörzeichen (HZ) und Sichtzeichen (SZ) muss der Hund den Tunnel durchqueren und auf HZ und/oder SZ nach dem herauskommen zu verharren.

Begehen von unangenehmem Material (10 Punkte)          
Wie bisher

Tragen und Übergeben (10 Punkte).   
Wie bisher

Ablegen unter Ablenkung (10 Punkte)        
nur geringen Veränderungen in der Beurteilung, sonst wie bisher

Überqueren einer starren Holzbrücke (15 Punkte) 
Wie bisher

Überqueren von 3 verschiedenen Hindernissen (15 Punkte)     
Veränderung des Abstands der Hindernisse, sowie konkrete Höhenangaben, und zwar Hindernis 1. =. 40 cm, 2. = 60 cm und 3. = 80 cm. Sonst wie bisher.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Rettungshunde Fährtenprüfung IPO-R RH2
Stufe A      RH-F A

Sowohl im Ansatz, als auch im Fährtenverlauf verändert die neue PO die Anforderungen und auch das Beurteilungsprofil. Ausführung ist nur bezüglich der Länge der Fährte mit 1.000 Schritten, Alter der Fährte 90 Minuten und 5 Gebrauchsgegenstände geblieben. Alles Andere ist verändert, einschl. Bewertung.

Der Ansatz mit ID-Gegenstand (30 Punkte)

Stöberansatz 20 x 20 m mit ID-Gegensstand. Der Stöberansatz darf zunächst nicht vom HF betreten werden. Erst wenn der Hund die vorderen 10 m abgesucht hat, ist es dem HF erlaubt, die Ansatzfläche zu betreten.

Der Fährtenverlauf (50 Punkte)

Der Fährtenverlauf ist natürlich dem Gelände angepasst und sollte Geländewechsel beinhalten. Das Gelände kann aus Wald-, Wiesen- und Feldflächen bestehen, sowie Straßen-und Wegüberquerungen beinhalten. Da der Fährtenleger auch gleichzeitig die Versteckperson ist, muss eine genaue Aufzeichnung der Fährte beim Legen erstellt werden. GPS-Aufzeichnungen sind hier sinnvoll. Ausarbeitungszeit 20 Minuten

Die Gegenstände (5 x 8 = 40 Punkte)

Gegenstände wie bisher, jedoch mit höherer Wertung

Stufe B      RH-F B

Wie bei Stufe A sind Ansatz und Fährtenverlauf verändert, die Ausführung bezüglich der Fährtenlänge 2.000 Schritte und Alter der Fährte mit 3 Stunden wie bisher. 8 Gebrauchsgegenstände  Alle Bewertungen wie bei A

Der Ansatz mit ID-Gegenstand (30 Punkte)

Stöberansatz 30 x 30 m mit ID-Gegensstand. Der Stöberansatz darf nicht vom HF betreten werden. Bei .Nichtauffinden des ID darf der HF mithelfen, den Gegenstand zu finden auf Kosten der Ansatzbewertung (-30 Punkte)

Der Fährtenverlauf (50 Punkte)

Der Fährtenverlauf ist wie bei A beschrieben, jedoch mit entsprechender Länge. Ausarbeitungszeit max. 45 Minuten

Die Gegenstände (8 x 5 = 40 Punkte)

 

Rettungshunde Flächenprüfung IPO-R RH2

Stufe A       RH-FL A

Gegenüber der bisherigen PO hat sich dieser Teil kaum verändert bezüglich der Ausführungsbestimmungen. Größe des Geländes 100 x 200 m, maximale Suchzeit 15 Minuten und 2 VP sind geblieben. Auch die Randbedingungen sind ähnlich, jedoch darf der HF nun auch auf der Mittellinie zurückarbeiten entsprechend seiner vorgegebenen Suchtaktik.

Die Beurteilung ist neu, und zwar:

v     Lenkbarkeit   ………………………           30 Punkte

v     Suchintensität ………………………         10 Punkte

v     Beweglichkeit ………………………         10 Punkte

v     Selbstständigkeit ……………………       10 Punkte

v     Taktik des Hundeführers …………           20 Punkte

v     Anzeigen der Versteckpersonen …    .  120 Punkte

       200 Punkte

 

Stufe B       RH-FL B

Die Stufe B weist nun eine deutliche  Veränderung gegenüber der bisherigen Flächensuche aus. Festgelegt sind 3 VP, das Gebiet ist 35.000 bis 40.000 m² groß und mind. 50% überdeckt. Die Ausarbeitungszeit beträgt 30 Minuten. Der HF muss eine Suchtaktik vorgeben, die in der Umsetzung dann auch bewertet wird. Der HF bestimmt auch unter Vorgabe von Sperrbereichen den Ort des Suchbeginns.

Beispiel: Hügeliges Waldgebiet mit Wegen durchquert, mehr als 50% dichtes Unterholz.

Der HF meldet seinen Hund und gibt die Suchtaktik an unter Berücksichtigung der Wind und Geländeverhältnisse. Ein solcher Plan mit den Randbedingungen könnte dem HF mit dem Beginn der Suche angegeben werden.
Der HF entscheidet auch den Ort des Suchbeginns entsprechend seiner Suchtaktik.

Die Windrichtung wird freilich nicht vorgegeben.

Die Suchzeit von 30 Minuten beginnt nach Bekanntgabe der Suchtaktik mit dem ersten Ansetzen des Hundes.
Rückwärtssuche ist erlaubt.

Rettungshunde Trümmerprüfung IPO-R RH2

Stufe A       RH-T A

Gegenüber der bisherigen PO ist die Größe des Geländes 800 – 1.000 m² auf einer oder mehren Ebenen. Die maximale Suchzeit beträgt 20 Minuten für 2 VP. Die Trümmerlage muss finstere Räume und Tiefenverstecke mit einer Verschüttungstiefe von ca. 1 m aufweisen. Das Suchgebiet muss vom HF und PR einsehbar sein. Reine Gebäudesuchen sind nicht mehr zugelassen.

Auf die richtige Ausrüstung für das Betreten von Trümmerfeldern ist zu achten.

Alle weiteren Anforderungen decken sich mit den bisherigen in der Stufe A.

Die Bewertungskriterien sind grundsätzlich analog zu denen der Flächensuche


 

Stufe B       RH-T B

Auch hier ist gegenüber den bisherigen Abmessungen die Größe des Geländes 1.200 – 1.500 m² auf einer oder mehren Ebenen. Die maximale Suchzeit beträgt 30 Minuten für 3 VP. Die Trümmerlage auf einer oder mehren Ebenen muss mindestens 6 Verstecke aufweisen, davon mindestens 2 finstere Räume, 2 Tiefenverstecke mit einer Verschüttungstiefe von rd. 2 m oder 2 Hochverstecke mit mind. 2 m Höhe. Reine Gebäudesuchen sind auch hier nicht zulässig.

Des Weiteren gilt das für die Stufe A ausgeführte.

Unterordnung und Gewandtheit IPO-R  RH2
Stufen A und B, RH-F, RH-FL, RH-T

Gleichwohl wie in der RH-E hat sich auch in den Stufen A und B  der bei uns gängigen Rettungshundeprüfungen für Fährte, Fläche und Trümmer deutlich verändert. Die beiden Sparten sind in eine Sparte verschmolzen, die Gesamtzahl der Übungen ist aber gleich.

Nach wie vor wird die Reihenfolge der Übungen ausgelost. Im Hinblick auf die Ausdehnungen der Übungen und der erforderliche Zusammenhang aller Übungen erfordert eine Durchführungsfläche von mind. 50 x 70 m.

Die einzelnen Übungen, soweit sie neu oder verändert sind.

Die in der PO ausgewiesenen Hör- und/oder Sichtzeichen sind möglich, aber nicht unbedingt zu geben. Wird ein Hz und/oder SZ nicht gegeben, der Hd führt die Übung aber korrekt aus, entwertet das die  Übung nicht.

Freifolge (10 Punkte)

Schema (nach links oder rechts ausführbar) unverändert mit der Zusatzanforderung in der Gruppe in gleicher Weise wie bei der RH-E erläutert. In der Freifolge erfolgt die Überprüfung der Schussfestigkeit. Keine Motorengeräusche mehr erforderlich.

Distanzkontrolle (10 Punkte)

Nach der Entwicklung folgt das HZ „Sitz“, HF geht 40 Schritte weiter und wartet auf Richteranweisung. Dann ruft er seinen Hd zu sich. Nach ca. 20 Schritten (Hälfte der Distanz vom sitzenden Hund zum HF) der Annährung des Hundes wird dieser mit dem HZ für Hinlegen ins „Platz“ gebracht. Wieder auf Richteranweisung folgt das HZ  für Hinstellen (ohne dass der Hund vorgeht). Nach erneuter Richteranweisung folgt das Herankommen, vorsitzen und der Abschluss

Bringen zu ebener Erde (10 Punkte)

Unverändert

Fassbrücke beweglich (10 Punkte)

Nach dem ersten Verharren auf HZ im vorderen Drittel der Bohle wird der Hund aufgefordert weiterzugehen und verharrt selbstständig am Ende der Bohle. Auf RA geht der HF dann mit dem Hd auf HZ in die Endgrundstellung nach dem Gerät.

Leiter (10 Punkte)

Unverändert 4m lang, 50 cm hoch, 50 cm breit, Sprossenbreite 5 cm, Sprossenabstand 30 cm. Hier Beispiele für eine Leiter gemäß PO:

 

Tunnel (10 Punkte)

Der bisher verwendete Tunnel ist nicht mehr zulässig.  
Das Gerät ist bisher nicht handelsüblich und kann derzeit nur auf Sonderanfertigung produziert werden.

Der Eingang ist starr 3 m lang. Der anschließende Sacktunnel aus weichem Material ist ebenfalls 3 m lang. Der Tunnel muss zügig vom Hund durchgangen werden. Es kommt nicht auf die Schnelligkeit an.

Lenkbarkeit auf Distanz (10 Punkte)

Unverändert

Tragen und Übergeben (10 unkte)

Unverändert

Ablegen unter Ablenkung (10 Punkte)

Grundsätzlich unverändert, jedoch muss der Hund unter insgesamt schwierigeren Bedingungen liegen bleiben. Auch hier ist die Teilbewertung gültig.

Innerhalb des SV werden unsere Leistungsrichter auch weiterhin die Eignungsprüfung abnehmen im Rahmen einer normalen Prüfung. Die RH2 in allen Stufen nehmen folgende SV-Richter ab:

Yvonne Steinborn-Bartsch  (LG 02); Walter Hoffmann (LG 06), Andreas Quint (LG 08), Andreas Bender (LG 09), Friederich Reichert (LG 12); Peter Arth (LG 15),

Ich weise aber auch darauf hin, dass RH2 Rettungshundeprüfungen mit anderen FCI oder IRO-Richtern durchgeführt werden dürfen. Über die Freigaberegelungen und den Terminschutz informiert die HG des SV.

Die neue PO ist beim SV in vollständig schriftlicher Form erhältlich.

Ferner wurden DVD angefertigt, die sowohl die Fährtenarbeit der Stufen A und B beschreiben, als auch die Unterordnung und Gewandtheit für alle Stufen. Auch diese DVD sind bei mir oder über die HG zu beziehen.

Noch offene Frage? Anruf oder besser Mail genügt!