Romny ist gerüstet für die IRO-WM 2012

Mit viel Erwartung trete ich die Reise in die Ukraine an zur IRO-Prüfung in Romny, dem diesjährigen Austragungsort für die IRO-WM 2012. Gemeinsam mit Resi Gerritsen und Detlef Kühn sollen dort rd. 60 Hunde in Fährte, Fläche und Trümmer geprüft werden.

Zugegeben, der Beginn der Reise war für mich ja nun alles Andere als angenehm. Frühzeitig am Flughafen angekommen erwartet mich ein außergewöhnlicher Andrang vor dem Check-In. Ich hatte ja noch mehr als eine Stunde Zeit bis zum Abflug. Doch dann kam die Ernüchterung als ich dran bin und den Reisepass vorlegen muss. Ausweis genügt nicht? Nein! Noch gut 30 Minuten Zeit; Anruf zuhause, Pass kommt so schnell wie möglich! Doch er kam zu spät. Flug verpasst! Hektik umsonst. Na das fängt ja gut an.

Umbuchungskosten, Tarifänderungen, mehrfaches Umsteigen fällt nun an. Da ist ja mal eben ein „First Class“ Aufschlag fällig. Kann man nichts ändern! Statt der ursprünglichen kaum 3 Stunden dauert der Flug dafür ja nun auch mehr als 8 Stunden.

Nur rumgehockt und gewartet, eingecheckt und von Kontrolle zu Kontrolle gegangen und trotzdem müde lande ich in Kiew, einem inzwischen modernisierten, funktionalen Internationalen Flughafen. Die angekündigten strengen Kontrollen am Ausgang blieben aus. Freundlichkeit umgibt mich und ich werde von einer kleinen Gruppe ukrainischer Sportfreunde empfangen.

Mit dem nicht gerade komfortablen Auto und auf reparaturbedürftigen Straßen holpern wir nun noch drei Stunden bis nach Romny ins dortige Hotel. Valentyna Romanova, die ich schon von der WM in Belgien her kannte, informiert mich über die kommende Veranstaltung und wir diskutieren auch über das derzeitige Hauptthema, die „Babesiose“. Es ist bereits 1:30 Uhr als wir ankommen. Gerade noch Zeit für wenige Stunden Schlaf.

Am Morgen des ersten Prüfungstagstages werde ich pünktlich abgeholt und im Camp herzlich empfangen. Nach ausgiebigem Frühstück im Camp gehen wir ins Fährtengelände. Die überall herumstehenden Spraydosen gegen Mücken geben auf das Umfeld schon einen kleinen Hinweis. Wir fahren vorbei am sicher sehr interessanten Trümmergelände und erreichen benachbart zum Veranstaltungsgelände die sehr weitläufigen Wiesen-, Saat- und Waldflächen für die Fährtenarbeiten. Das offensichtlich wirksame Spray schützt vor den Plagegeistern, die zu Tausenden wild umherschwärmen in dem durch den Nachregen feuchten und mit der Morgensonne frischen, sehr angenehmen Frühlingstag.

Keine Karten, kein GPS, also müssen wir es mit Handzeichnungen angehen. Dreimal Stufe A und zweimal Stufe B sollten wir ja wohl hinbekommen. Die Fährtenleger werden eingewiesen. Sie machen ihre Sache sehr gut und es beginnen die Fährtenarbeiten jeweils in einem exakten Zeitplan.

Am späten Vormittag sind die Fährtenarbeiten abgeschlossen. 2 Teilnehmer haben das Ziel nicht erreicht, wobei beide deutliche Ausbildungseinschränkungen und fehlende Erfahrung auf dem Gebiet der Fährte hatten.

Bis zu der für mich dann zuständigen Unterordnung und Gewandtheit am Nachmittag hatte ich Zeit und Gelegenheit, mir das Camp anzusehen, das Trümmergelände zu besichtigen, wo Detlef Kühn gerade die Leistungen in der Stufe A überprüft, und Gespräche zu führen mit den Organisatoren auch im Hinblick auf die WM, die gerade in diesem Gelände durchgeführt werden soll.

„Vicky“, die sympathische und immer freundliche Dolmetscherin (englisch > ukrainisch) hatte ganztägig reichlich zu tun, da die Verständigung in Englisch hier noch nicht so alltäglich ist. Sie meistert das in ihrer besonders charmanten Art über alle Tage hinweg.

Der für die Unterordnung und Gewandtheit hergerichtete, rd. 100 x 100 m große Platz mit einer kleinen Tribüne bietet ideale Voraussetzungen für die Durchführung und Beurteilung. Auch hier läuft alles Hand in Hand und exakt nach Zeitplan ab.

Die hundesportlichen Leistungen waren sehr variantenreich, nämlich von „V“ bis „M“ und gar Disqualifikationen. Am späten Nachmittag endet der erste sonnige Prüfungstag mit doch schon recht hochsommerlichen Temperaturen. Wir werden ins Hotel gebracht und lassen bei einem guten Abendessen den Tag ausklingen.

Samstag, der Hauptkampftag, beginnt wieder um 7:00 Uhr mit dem gemeinsamen Frühstück und es geht in die Flächen, Trümmer und auf dem Platz für die Unterordnung/ Gewandtheit. Die Organisation klappt inzwischen sehr gut; das Büro stellt die Ergebnisse zeitnah ins Internet. Alle sind zufrieden. Lediglich die Ergebnisse liegen doch deutlich unter den Erwartungen. Es zeichnet sich ab, dass weit mehr als 50% das Prüfungsziel nicht erreichen werden.

Am Sonntag noch einige Trümmer und Unterordnungen, dann sind die Wettkämpfe beendet. Die Verantwortlichen für die Veranstaltung haben sich „in Schale geschmissen“. Sehenswerte Uniformen, an denen die vielen Auszeichnungen nicht fehlen, scheinen heute das Wichtigste zu sein. Es ist erst 11:00 Uhr. Für 16:00 Uhr ist eine große Zeremonie als Abschlussfeier geplant. Es ist noch Zeit und Gelegenheit mir noch das Flächengelände anzusehen und über organisatorische Dinge für die WM zu sprechen. Alois, IRO-Begleiter aus Österreich für die Aktivitäten in Sachen WM-Vorbereitungen hat sich ganztägig um die richtige Aktualisierung im Internet und die Probleme der Anreise von Teilnehmern und Gästen aus dem europäischen Raum gekümmert. Auch Unterkünfte in Romny sind ein Problem, das noch zu klären ist.

Das Thema Babesiose betreffend erfahre ich, dass jeder Teilnehmer von der Organisation mit seiner Anmeldung ein Gegenmittel gegen den Zeckenbiss bekommen wird. Die Babesiose erzeugenden Zecken sind auch nicht so weit verbreitet, wie von uns vielfach angenommen. Die Hunde vor Ort jedenfalls erfreuten sich bester Gesundheit. Auch eine prophylaktische Vorsorge sei möglich, sagen dir dortigen Veterinärmediziner.

Wir werden nun gebeten, zur Abschlusszeremonie zu kommen. Wir hören bereits Vickis wundervolle Stimme. Sie singt ukrainische Volkslieder und wird von einer 16-köpfigen Militärkapelle begleitet. Einmarsch der noch übrig gebliebenen rd. 50 Teilnehmer aus Russland und der Ukraine. Ein bewegendes Bild eine hervorragende Vorbereitung für die kommenden großen Aufgaben. Eine Stunde Ansprachen, Siegerehrung und die ukrainische Nationalhymne.

Es war sicher nicht alles perfekt in Vorbereitung und Organisation aber eines war sicher bewundernswert: „Die Atmosphäre, Gastfreundschaft, Freundlichkeit und der Umgang mit ihren Hunden“. Ob Organisation oder Hundeführer/innen, dieses Team hat es verdient, dass wir uns auf den weiten Weg machen in die Ukraine zur IRO-WM 2012.

Wir verlassen Romny noch am Sonntag, wenn auch erst am Montag in den frühen Morgenstunden unsere Flüge zurück ins westeuropäische Heimatland angesetzt sind. Auf der mehr als dreistündigen Autofahrt, in einer endlos weiten, schönen Landschaft auf manchmal abenteuerlich schlechten Straßen sprechen wir über die Veranstaltung und über die Vorbereitungen auf die WM.

Wir hoffen alle sehr, dass es weder einen wirklichen Boykott aus politischen Gründen, noch eine Absage auch tiermedizinischen Gründen geben wird und sind uns einig, dass wir für die WM 2012 werben.

Walter Hoffmann

 

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