25. IRO-Weltmeisterschaft für Rettungshunde  
2019 in Frankreich

Vom 17.-22. September 2019 fand in Frankreich die 25. IRO-Weltmeisterschaft für Rettungshunde statt. Ausrichter war die CSP
(Cynotechnie Sapeurs-Pompies France), ein 2006 gegründeter Verein von freiwilligen und ehemaligen Mitgliedern der Feuerwehr, die sich auf kynologische Aktivitäten spezialisiert haben. Diese insgesamt doch kleine Gruppe findet durchaus hohe Anerkennung und auch Unterstützung für ihre ehrenamtliche Tätigkeit.

Mit Unterstützung benachbarter Vereine, der Feuerwehr und anderen Organisationen gelang eine hervorragend organisierte Veranstaltung. Egal, wen man von den Verantwortlichen ansprach, man wurde stets freundlich mit einem Lächeln begrüßt und Fragen oder Probleme wurden direkt gelöst oder bearbeitet. Die angenehme Atmosphäre spiegelte sich auch in der sprachlichen Verständigung wider, die teilweise mit Zuhilfenahme von kunstvollen Gesten funktionierte.

Wesentlich jedoch sind bei den Weltmeisterschaften neben den umfangreichen administrativen und aufwändigen Organisationen die Bereitstellung und Vorbereitung der Suchgebiete. Das Flächen- und Trümmergelände lag nahe der Sportanlage für Unterordnung und Gewandtheit, das Fährtengelände im ca. 50 km entfernten Cerny. Alle Arbeitsplätze waren gut erreichbar und mit reichlichen Parkmöglichkeiten ausgestattet (siehe Bild 1).

Aus 22 Ländern und 58 Organisationen oder Vereinen stellten sich 118 Rettungshundeteams zum Wettkampf, und zwar 7 in der Fährtensuche, 55 in der Flächensuche und 56 in der Trümmersuche. Der Zeitplan war perfekt, denn die gesamte Veranstaltung verlief danach reibungslos. Sie begann am Dienstag mit, eine Präsentation von Unterordnung und Gewandtheit und der mit Spannung erwarteten Auslosung.

Die Veranstaltung begann am Dienstag mit der Anmeldung und der Tierarztkontrolle, den üblichen Besprechungen der Richter und Mannschaftsführer, sowie der Vorführung des Probehundes. Anschließend trafen sich alle Teilnehmer mit ihren Hunden zum traditionellen Eröffnungsumzug und der Eröffnungsfeier auf der hervorragend eingerichteten Sportanlage. Die Teams betreten für jede Nation getrennt das Podium und werden von Schulkindern aus Villejust freundlich in ihrer Landessprache begrüßt. Eine sehr schöne und mit viel Beifall belohnte Idee. Es folgen, wie üblich, ausführliche in Englisch und Deutsch übersetzte Begrüßungsreden des Bürgermeisters und politischer Ehrengäste. Der IRO-Präsident Markus Bock eröffnet nun offiziell die Veranstaltung.
Abends fand die Auslosung statt.

Am nächsten Tag starteten die Wettkämpfe morgens um 8:00 Uhr in FL und T, sowie Uo/ Gew. Die Fährtensuche beschränkte sich aufgrund der geringen Teilnehmerzahl auf Donnerstag und Freitag

Doch nun zu den Nasenarbeiten, beginnend mit der Fährtensuche

Als Fährtengelände standen große teilweise grob oder fein geeggte, überwiegend mit Stroh leicht bedeckten Ackerflächen mit teilweise sehr geringem Bewuchs zur Verfügung. Optisch gesehen ein einfaches gut machbares Gelände. Bei näherer Betrachtung jedoch stellten wir fest, dass der Boden sehr hart und vor allem völlig ausgetrocknet war. Selbst auf dem fein geeggten Acker bildete sich beim Begehen kein Abdruck.
Die für den FH-Bereich unerfahrenen Fährtenlegerinnen (FL) haben im langsamen Normalschritt die auf einer Karte aufgezeichneten Fährten gelegt und mit GPS aufgezeichnet. Jede Fährte kreuzte zweimal einen Weg. Teilweise war auch Geländewechsel vorhanden. Insgesamt 8 Gebrauchsgegenstände bis maximal Schuhgröße liegen auf der Fährte, dazu kommt der Identifikationsgegenstand im 30 x 30 Meter großen Stöberfeld.

Gemeinsam mit dem Österreicher Hannes Hiltpolt begann pünktlich die Sucharbeit. Am 1. Tag starten 3 am 2. Tag 4 Teilnehmer in der Reihenfolge der Auslosungen. An beiden Tagen herrschten gleiche Bedingungen. Ein sonniger zunehmend heißer Tag, geprägt durch vor allem morgens recht kaltem Wind, der die erschwerten Bedingungen noch verstärkt.
Der erste Starter beginnt pünktlich mit der Stöberarbeit nach dem ID-Gegenstand. Der betagte Tervurenrüde findet ihn so gerade noch in der Zeit. Er weicht nach großen Problemen am Ansatz mehrfach von der Fährte ab, hat Probleme in den Winkeln, kommt aber immer wieder zur Fährte zurück. Er findet 4 Gegenstände. Nach dem 4. Gegenstand weicht er dann zu stark ab und wir brechen die Fährte ab. Seine Ausarbeitung ist symptomatisch für alle Fährten. Fünf Teilnehmer erreichten so etwa die Mitte der Fährte, fanden Gegenstände und kämpften Stück für Stück auf dem schweren Gelände. Dann war die Zeit um, denn nach 45 Minuten endet das Zeitlimit.
Traurig beenden wir auch mit der letzten Teilnehmerin in gleicher Weise die Arbeit denn leider erreichte auch sie wie die anderen Teilnehmer das Ende der Fährte mit der dort sitzenden FL.

Die Sonderregelung für die Flächensuche einer erweiterten Form des Schemas der FL-A wurde von den Teilnehmern gut angenommen. Zuschauer waren reichlich zugegen und konnten durch die neue Regelung die Arbeiten der Hunde besser verfolgen. Auch hier waren die Ergebnisse ingesamt bestenfalls zufriedenstellend. Die Ursache für die hohe Ausfallquote von rd. 70% sollte sicher hinterfragt werden. An den beiden erfahrenen Richtern Pavel Sabacky (CZ) und Detlef Kühn (DE) lag es sicher nicht. Hierzu verweise ich auf den Bericht der dortigen Richter

Das sehr gut vorbereitete, interessante Gelände für die Trümmersuche bot in einem großen Areal neben dem Trümmergelände auch gleichzeitig den Standort für Verkaufsstände. Auch hier war der Ausfall mit über 70% zu hoch. Eine Analyse dazu geben die Richter Alois Rusegger (AT) und Kazuhiro Sawada (JP) in der Nachbesprechung.

Großartige Leistungen in der Unterordnung und Gewandtheit trotz der doch recht sonnigen und zeitweise heißen Wetterlage begeistern die Zuschauer. Die sehr gleichmäßige Richtweise von Jerneja Ternovec (SL) und Resi Gerritzen (NL) trägt sicher auch zur allgemeinen Zufriedenheit bei. Vor allem bereiten den Teilnehmern der neuen Übungselemente aus der Reform der IPO-R keinerlei Probleme.

Der traditionelle Festabend am Samstagabend wurde in einem dafür prädestinierten Gebäude nahe dem Hotel, in dem nicht nur die Richter, sondern auch der überwiegende Teil der Hundeführer untergebracht war. Bis an die Grenze des Machbaren gefüllt war der festlich geschmückte Saal. Es dauerte doch eine ganze Weile, bis alle Gäste ihren Platz eingenommen haben, bevor die Begrüßungsrede folgt und das interessant gestaltete Buffet eröffnet wird. Zu später Stunde rundet Tanz und Unterhaltung den Festabend ab.

Mit den Vorbereitungen zur traditionellen Schlussfeier beginnt es zu regnen. Soll noch schlimmer werden, wird im Internet recherchiert. Hier beweist sich eine hervorragende Flexibilität des Veranstalters. Ohne den Zeitplan ändern zu müssen wird kurzerhand die zur Sportanlage gehörende große Turnhalle für den abschließenden Festakt umgestaltet. Dicht gedrängt zollen die Anwesenden in der Turnhalle den Leistungsrichtern und nach Nationen geordnet einmarschierenden Rettungshundeteams Beifall. Aufmerksam und mit Beifall bekunden Veranstaltungsleiter und der Bürgermeister der Stadt Villejust den Dank an alle Mitarbeiter der Veranstaltung für eine gelungene Vorbereitung und Abwicklung. In der anschließenden Siegerehrung werden alle Teilnehmer der positiven Bewertungen namentlich aufgerufen und die drei Erstplatzierten besonders herausgestellt. Für die Sieger erklingt die Nationalhymne.

Besonders erfreulich aus deutscher Sicht ist der Sieg in der Flächensuche von Andrea Otto mit ihrem Malinoisrüden „Bugatti vom Scheidgraben“ und der Vizesieg in der Trümmersuche von Barbara Pietrusky mit ihrer Malinoishündin „Wanjeena´s Birgit“.  Die Abschlussfeier endet mit einer besonderen Ehrung des Gesamtleiters; „Ehre wem Ehre gebührt“.

Mit dem Ende der Siegerehrung hört es auch auf zu regnen.

Sicher werden wir diese hervorragend organisierte 25. IRO-WM in Villejust südlich von Paris in guter Erinnerung behalten.

Walter Hoffmann


Eine ausführliche Bilddokumentation mir eindrucksvollen Bildern findet ihr in der IRO-Homepage

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